Die Geschichte der Brigitte N

Oft reicht die Rente nicht aus, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Es muss hinzuverdient werden, z. B. als Zeitungszusteller/in.

Die Ursachen für die Misere sind vielfältig; z. B. Krankheit oder Erwerbslosigkeit; vor allen Dingen Dumpinglöhne und die nicht sozialversicherungspflichtigen Minijobs.

Mit dem Mindestlohngesetz will der Gesetzgeber gegensteuern. Die Richtung mag stimmen, kommt für viele Zeitungszusteller/innen leider zu spät und bringt dem „Vorruheständler“ (ein schreckliches Wort) oft Schwierigkeiten.

In diesem Zusammenhang eine gute Nachricht. Wer die Regelaltersgrenze erreicht hat, darf grundsätzlich bis zu seiner Beerdigung ohne Rentenkürzung hinzuverdienen.

Ansonsten ist Vorsicht geboten! Dem Hinzuverdienst *1) werden abhängig vom Lebensalter Grenzen gesetzt. Wer die Regelaltersgrenze *2) noch nicht erreicht hat, kann 2016 durch die Annäherung an den Mindestlohn auch für Zeitungszusteller/innen *3) Probleme bekommen, wenn er als Bezieher einer Vollrente die Hinzuverdienstgrenze von 450,- € überschreitet.

Beispiel aus einer Mitteilung der Deutschen Rentenversicherung bei Bezug einer Vollrente:
Brigitte N verdient von Januar bis August monatlich 475 Euro und liegt damit über der Hinzuverdienstgrenze für ihre Vollrente. Die Rente wird ab Januar daher als Teilrente gezahlt. Ab September verdient sie nur noch 430 Euro. Sie stellt im Oktober einen Antrag und erhält ihre Rente rückwirkend ab September wieder in voller Höhe.“

Das hört sich gut an, doch aufgepasst! Mit dem monatlichen Hinzuverdienst in Höhe von 25 € geht eine Kürzung der Vollrente einher und die erfolgt nicht in gleicher Höhe und nicht irgendwie prozentual zu den besagten 25 € im Monat, sondern immer in 3 Schritten: 1. als Zwei-Drittel-Teilrente, 2. als Ein-Halb-Teilrente und 3. als Ein-Drittel-Teilrente.

Erklärung: Nehmen wir einmal an, Brigitte N bezieht eine Vollrente von 700 Euro. Wegen einer monatlichen Überschreitung der Hinzuverdienstgrenze (450,-€) in Höhe von 25 € wird die Vollrente (700 €) bestenfalls auf eine Zwei-Drittel-Teilrente (466,66 €) gekürzt. Der monatliche Verlust von 233,33 € bei der Rente würde sich von Januar bis August auf ein Minus von 1866,64 € summieren.

Wir fragen: Darf es ein bisschen mehr sein? Ja, viel mehr aber auch nicht, schließlich darf Brigitte N regelmäßig monatlich nur bis zu 450,- Euro hinzuverdienen. Doch es gibt eine Ausnahme: zweimal im Jahr darf es doppelt soviel sein.

Beispiel aus einer Mitteilung der Deutschen Rentenversicherung:
Brigitte N. Verdient 430 Euro im Monat. In den Monaten Juni und November erhält sie von ihrem Arbeitgeber Sonderzahlungen von jeweils 430 Euro. Da sie die Hinzuverdienstgrenze von 450 Euro nur in diesen beiden Monaten überschreitet und darüber hinaus das Doppelte dieser Grenze einhält wird ihre Rente nicht gekürzt.

Gedacht ist obige Regel für den Fall, dass der Arbeitgeber Urlaubs- oder Weihnachtsgeld oder Überstunden bezahlt. Unserer Brigitte hat leider Pech. Sie arbeitet als Zeitungszustellerin bei der RZZ Köln Rheinland GmbH & Co KG im neuen Lohnmodell. Da ist Urlaubs- oder Weihnachtsgeld nicht vorgesehen. Blieben da noch die Sonderzahlungen z.B. für entstandene Überstunden beispielsweise durch Wartezeiten etc.. Welche Möglichkeiten es hier oder an anderer Stelle gibt, sollte Brigitte - wie andere Zusteller/innen auch – unbedingt mit dem zuständigen Bezirksleiter besprechen.

Wir können Euch an dieser Stelle nur bitten: Beachtet Euren Rentenbescheid, besonders die Anlage Nr.16. Wenn Ihr Fragen habt: Der Betriebsrat hilft gerne, letztendlich aber ist für Auskünfte über die Höhe der individuellen Hinzuverdienstgrenze der Rentenversicherungsträger zuständig. Von ihm erhaltet ihr die richtigen Informationen, die ihr dann auch zur Beachtung an die Bezirksleiter weiterreichen könnt.

 

 

  1. Als Hinzuverdienst gelten das monatliche Bruttoarbeitsentgelt, der monatliche steuerrechtliche Gewinn (Einkünfte aus Gewerbebetrieb, aus selbständiger Arbeit und aus Land- und Forstwirtschaft) sowie vergleichbares Einkommen wie z. B. Vorruhestandsgeld.
  2. Die Regelaltersgrenze liegt für vor dem 1. Januar 1947 geborene Versicherte bei 65 Jahren. Für nach dem 31. Dezember 1946 Geborene wird die Regelaltersgrenze schrittweise auf 67 Jahre angehoben
  3. Mindestlohn für Zeitungszusteller/innen 2015: 6,38€/Std. ab 1.1.2016: 7,23 €/Std. ab 1.1.2017: 8,50 €/Std.