Als Minijobs werden Beschäftigungsverhältnisse bezeichnet, in denen der Verdienst maximal steuerpflichtige 450 Euro/Mon. beträgt. (Km-Geld für PKW und Nachtzulage sind steuerfrei). Wir fragen; Darf es ein bisschen mehr sein?

Viele Kollegen/innen befürchten bei einem Verdienst über 450 Euro einen finanziellen Supergau durch Abzocke des Staates und den finanziellen Absturz ins Bodenlose.
Mit der Einführung des Mindestlohns machen Arbeitgeber – gerne dabei auch immer mal wieder unsere Geschäftsführung - sich dieses Schreckgespenst zu Nutze. Angeblich wollen die betreffenden Kollegen/innen gar nicht mehr verdienen.
Das ist Propaganda. Sie soll u. a. die über Jahre hinweg verzögerte Zahlung eines angemessenen Mindestlohnes für Zeitungszusteller/innen in Höhe von 8,50 €/Std. rechtfertigen. Wir erhielten 2015 nur mindestens 6,38 €/Std. In diesem Jahr sind es 7,23 €/Std.; ein Verdienst, der immer noch nicht dem gesetzlichen Mindestlohn in Höhe von 8,50 €/Std in anderen Branchen entspricht (der wiederum leider auch noch unter der einst errechneten Niedriglohngrenze von 10,36 €/Std liegt).

Wir haben keine Angst davor mehr zu verdienen. Wir wären schon froh, wenn wir das Geld bekämen, das uns zusteht (siehe auch Artikel “Fehlerhafte Lohnabrechnung“ in dieser Ausgabe der SammelSpitze S. 2).

Wir wissen, unsere unsicheren Minijobs werden niedrig entlohnt und führen zu Minirenten, mit denen man im Alter nicht leben kann (siehe auch SammelSpitze Nr. 12 „Hinzuverdienst und Rente?“). Aber gerade hinsichtlich der Rente hat es für Minijobber positive Änderungen ergeben. Seit 2013 haben auch sie Anspruch auf das volle Leistungspaket der gesetzlichen Rentenversicherung. Sie zahlen zum pauschalen Rentenversicherungsbeitrag des Arbeitgeber einen Eigenbetrag von 3,7 % - bei 450 € sind das 16,65 €.

Wem die 3,7 % (16,65 €) zu viel ist, der kann sich von der Rentenversicherungspflicht befreien, sofern sein Minijob vor 2013 nicht mehr als 400 € betrug. Wenn sich Minijobber von der Versicherungspflicht befreien lassen, ist das bis zum Ende des Beschäftigungsverhältnisses bindend. Diesen Schritt sollte sich jeder gut überlegen und sich informieren, welche Auswirkungen das auf seine soziale Absicherung hat.

Wer weniger als 450 €/Mon. verdient ist nicht krankenversichert. Ihm bleibt nur der Ausweg in die Familienversicherung. Er kann sich bei dem oder der Ehepartner/in mitversichern, sofern er oder sie im Hauptjob krankenversichert ist, ober nach Erreichen der Regelaltersgrenze eine gesetzliche Rente bezieht. Wenn das nicht geht, gibt es nur zwei Möglichkeiten:

  1. Wer weniger als 450 €/Mon verdient kann sich freiwillig in einer Krankenkasse versichern lassen. Dann geht der Versicherer aber von einem Mindestverdienst von 850,01 €/Mon. aus. Und dann wird es teuer, schließlich muss man auch noch den Arbeitgeberanteil erbringen.
  2. Wer mehr als 450,01 Euro verdient, ist automatisch wie jeder andere abhängig Beschäftigte krankenversichert (in der „Gleitzone“ bis 850,-€/Mon. sogar noch etwas günstiger als die 2016 z.B. üblichen 15,7%.) wovon der Arbeitgeber einen Teil übernimmt.

Ihr seht es lohnt sich durchaus, ein wenig mehr zu verdienen. Ausnahmen wie etwa Bezieher einer Rente wegen Erwerbsminderung gibt es sicherlich. Doch das ist nicht die Regel.