Bei unseren Lohnabrechnungen sind uns im vergangenen Jahr mehrere Fehler aufgefallen, die leider immer noch nicht abgestellt wurden.

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Beispielhaft nutzen wir die fiktive Zustellerin Karin B.: Sie hat eine durchschnittliche tägliche Arbeitszeit von 2 Stunden. Über den Stücklohn verdient sie im Monat 300 € ohne Nachtzulage und Kilometergeld.

1. Ein besonders ärgerlicher Fehler betrifft die Mindestlohnaufstockung in Monaten mit Feiertagen. Dieser Fehler hatte Anfang diesen Jahres den ersten Geburtstag. Kein Grund zum Feiern!

Nach Mindestlohngesetz musste Karin B. 2015 täglich mindestens 2 x 6,38€ = 12,76€ verdienen.

In einem Monat mit 25 Zustelltagen sind dies 25 x 12,76€ = 319€. Sie erhält daher in diesen Monaten zusätzlich zu den 300€ Stücklohn eine Mindestlohnaufstockung von 19€.

Im Dezember hatten wir 25 Zustelltage und das Lohnbüro hat leider wie oben gerechnet. Wir hatten aber zusätzlich auch 2 Tage, an denen feiertagsbedingt nicht zugestellt wurde. Diese Tage müssen nach Entgeltfortzahlungsgesetz genauso vergütet werden. Karin B. fehlt daher die Vergütung für 2 volle Tage, also 25,52€. Da dieser Fehler im gesamten Jahr 2015 bestand, summiert er sich auf insgesamt 7 Tage oder 89,32€.

Im Oktober gab es zumindest den Versuch einer Nachzahlung für die vergangenen Monate. Den meisten von Euch wird diese nicht aufgefallen sein, da sie erstens sehr versteckt erfolgte, und zweitens um Größenordnungen zu gering ausfiel. Das Lohnbüro hat die Nachzahlung mit einem direkten Dreisatz berechnet. In der siebten Klasse lernt man aber, dass dieses nur bei proportionalen Verhältnissen funktioniert. An obigen Beispiel kann man leicht sehen, dass das Verhältnis Mindestlohnaufstockung und Zustelltage nicht proportional ist.

Wir haben diesen Fehlerkomplex seit Anfang 2015 beanstandet. Die Geschäftsführung hat uns im laufe der Zeit mehrfach glaubhaft versichert, eine Korrektur im Lohnbüro in Halle angemahnt zu haben. Offensichtlich gibt es auf dem langen Weg nach Halle aber irgendwo eine Ebene, an der man entweder nicht willens, oder nicht in der Lage ist, eine gesetzeskonforme Lohnzahlung zu ermöglichen. Es mag aber auch sein, dass wir im Lohnbüro einfach keine besonders hohe Priorität besitzen, wir Zeitungszusteller eventuell also auch dort (wie beim Mindestlohngesetz) Arbeitnehmer zweiter Klasse sind.

2. Im Zusammenhang mit der Mindestlohnaufstockung liegt auch ein weiterer Fehler. Bei Lohnfortzahlungen (z.B. Urlaub oder Krankheit) musste der Tagessatz im Beispiel von Karin B. auch mindestens 12,76€ betragen.

Das Lohnbüro hat diesen aber immer aus dem Durchschnitt der letzten drei Monate berechnet (wir berichteten schon mehrfach darüber). Fällt in diese drei Monate ein Zeitraum, an dem es noch keinen oder einen geringeren Mindestlohn gab, so ist diese Berechnung falsch. So geschehen im 1 Quartal 2015. Man muss leider erwarten, dass dieser Fehler im ersten Quartal 2016 wieder auftreten wird.

3. Von der Größenordnung nicht ganz so groß ist der Fehler bei der Bezahlung der „Duda“.

Hier wurde in den ersten Monaten ein zu geringer Stücklohn sowie teilweise keine Nachtzulage gezahlt. Auch hier gab es noch keine Nachzahlung. Immerhin wird hier inzwischen korrekt gezahlt.

4. Erst kürzlich ist der vierte Fehler aufgefallen: Das Lohnbüro nutzt zur Berechnung des Weihnachtsgeldes als Vergleichsmonat den Monat September.

In teilweise mühsamen Verhandlungen und teuren Einigungsstellenverfahren haben wir in der Betriebsvereinbarung „Lohnbestandteile“ unter anderem zwingend geregelt, dass der Monat Oktober zur Berechnung der Stückzahl genutzt wird (bei Vertretungseinsätzen die Monate Mai bis Oktober).

Beispiel Karin B.: Sie hat in Ihrem Bezirk ca. 150 Abos. Im September waren 10 Kunden noch im Urlaub. Die falsche Berechnung des Lohnbüros kostet Karin B. 10 x 1,90€ = 19€.

Bei unseren Stichproben haben wir festgestellt, dass die meisten Kollegen/innen zu wenig Weihnachtsgeld bekommen haben. Teilweise geht es um dreistellige Beträge. Natürlich ist aber auch der umgekehrte Fall möglich. Wir rechnen Dir gerne aus, wie es bei Dir aussieht.

Man muss sich abschließend fragen, wie der Arbeitgeber mit einem Zusteller umgehen würde, der 1 Jahr lang berechtigte Beschwerden nicht abstellt. Wir werden hier jetzt weiter Druck machen, damit alle Kollegen/innen die Ihnen zustehenden Zahlungen noch erhalten.