2017 wird der gesetzliche Mindestlohn für Zeitungszusteller von €7,23/h auf €8,50/h angehoben. Dadurch werden die Minijobgrenze von 450€/Monat und alle sonstigen Hinzuverdienstgrenzen schneller erreicht.

Es war hier schon mehrfach zu lesen: Kollegen, die eine bestimmte Verdienstgrenze einhalten wollen, müssen jetzt umgehend aktiv werden, damit sie nicht 2017 unnötig Geld verschenken.

Beispiel 1: Minijob

Besonders häufig wird die Sozialversicherungsfreiheit bei einem Minijob angestrebt. Hierfür darf der erwartete sozialversicherungspflichtige Verdienst (Bruttoverdienst ohne Kilometergeld und Nachtzulagen) jährlich nicht über 12 * €450 = €5400 liegen. Feststehende Einmalzahlungen (z.B. Urlaubs- und Weihnachtsgeld) müssen mitgerechnet werden.

Durchschnittlich haben wir monatlich 26 vergütungspflichtige Tage. Hieraus ergibt sich:

   Jahr       Mindestlohn       max. tägliche Arbeitszeit   
für €450/Monat
(bei 26 Tagen/Monat) 
2016 €7,23 2h 23min
2017 €8,50  2h 2min
2018 €8,84  1h 57min 

 

Die obigen Grenzen sind aber eher theoretische Maximalwerte. In der Praxis muss die tägliche Arbeitszeit aus folgenden Gründen deutlich niedriger liegen.

  • Wartegelder, Umfangszulagen, sonstige Bezüge, etc. kommen eventuell hinzu
  • Individuell muss ggf. ein höherer Stundenlohn als der gesetzlichen Mindestlohn gezahlt werden
  • Kollegen mit Anspruch auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld müssen dieses einrechnen
  • 2017 gibt es 3 Monate mit 27 vergütungspflichtigen Tagen
  • Beim Urlaubslohn werden Nachtzulagen eingerechnet und damit sozialversicherungspflichtig ausgezahlt

Beispiel 2: Hinzuverdienst und Rente

Rentenempfänger dürfen mit Erreichen der Regelaltersgrenze unbeschränkt hinzuverdienen ohne Abzüge bei der Rente befürchten zu müssen.

Aber Achtung: Vor dem Erreichen der Regelaltersgrenze ist ein Hinzuverdienst nur bis €450/Monat (2 mal im Jahr bis €900/Monat) unproblematisch. Auch ein noch so minimales Überschreiten der obigen Verdienstgrenzen führt dazu, dass man nur noch eine Teilrente erhält. Die Rente wird dann mindestens um 1/3 gekürzt (ggf. sogar um 1/2 oder 2/3). Im Extremfall kann dies dazu führen, dass von der Rente mehr abgezogen wird, als durch den Nebenverdienst insgesamt eingenommen wird. Für die maximale tägliche Arbeitszeit gilt die Tabelle in Beispiel 1 analog.

Durch die 2017 geplante Einführung der „Flexirente“ soll die Teilrente vor Erreichen der Regelaltersgrenze bei Hinzuverdienst individueller berechnet werden. Bei Überschreitung der „alten“ Hinzuverdienstgrenze von jährlich €6300 (10 * €450 + 2 * €900) werden von dem überschreitenden Betrag 40% von der Rente abgezogen. Es bleiben demnach von jedem „zu viel“ verdienten Euro noch 60 Cent übrig, solange Rente plus Hinzuverdienst den Bruttoverdienst vor Renteneintritt nicht überschreitet.

Aber nochmals Achtung: Diese deutlich günstigere Hinzuverdienstregelung der Flexirente soll erst zum 01.07.2017 wirksam werden.

In beiden Beispielen und bei allen anderen Hinzuverdienstgrenzen gilt jetzt daher ganz dringend: Wenn es bei Euch knapp wird, dann sprecht unverzüglich mit Euren Bezirksleitern und versucht gemeinsam eine Lösung zu finden. Falls Ihr einen ganzen oder einen Teil eines Bezirkes abgeben wollt, dann geht das auch beim größten Einsatz der Bezirksleiter nicht von heute auf morgen.

Bei allen Fragen zu diesem Themenkomplex hilft Euch der Betriebsrat natürlich gerne.

Die Zeit drängt!