Euer Bezirksleiter wird (soweit noch nicht geschehen) mit einer neuen Anlage zum Arbeitsvertrag auf Euch zukommen.
Bereitet Euch darauf vor. Hier findet Ihr Fragen und Antworten zu dieser Anlage.

Warum ist diese Anlage nötig?

Das Mindestlohngesetz schreibt für bestimmte Gruppen, vor allem für Minijobber, eine tägliche Erfassung der Arbeitszeit vor.
Mit dieser Anlage wird der Versuch unternommen, eine gesetzeskonforme Lösung mit möglichst wenig Bürokratie zu schaffen. Hierzu sollen in dieser Anlage die durchschnittlichen täglichen Arbeitszeiten (Regelarbeitszeiten) je Bezirk erfasst werden.
Eine gesonderte wöchentliche Meldung der Arbeitszeit ist dann nur noch nötig, wenn diese von der erfassten Regelarbeitszeit abweicht.

Was ist meine tägliche Regelarbeitszeit?

Diese Regelarbeitszeit ist die Zeit, die Du regelmäßig für die tägliche Erfüllung Deiner Aufgaben aufwendest.
Hierzu gehören neben der eigentlichen Zustellzeit (Beginn bei Ankunft an der Ablage und Ende beim letzten Kunden) auch alle Zeiten für Nebenarbeiten die regelmäßig anfallen. Hier sind beispielsweise zu nennen:

  • Müll sortieren und entsorgen
  • Lauflisten aktualisieren
  • Arbeitszeit erfassen und melden
  • Sichere Aufbewahrung der Schlüssel
  • etc.

Je nach Lage Deiner Bezirke kann aber auch die Fahrtzeit zwischen den Bezirken zur regelmäßigen täglichen Arbeitszeit gehören.
Am besten machst Du bereits vor Unterzeichnung der Anlage entsprechende Aufzeichnungen (sind unter Umständen schon seit 01.01.2015 vorgeschrieben), damit Du Dir ein Bild über Deine wirkliche Arbeitszeit machen kannst.

Soll ich die Zeiten runden?

Unsere Empfehlung ist hier ein klares NEIN.
Ein Aufrunden könnte als Betrugsversuch gewertet werden. Bei abgerundeten Werten würde mit der Bezahlung von aktuell 7,23€ pro Stunde gegen das Mindestlohngesetz verstoßen.
Gib die Zeiten so genau an, wie Du sie einschätzen kannst.
Sollte der Arbeitgeber für seine internen Berechnungen Interesse an gerundeten Werten haben, dann kann er natürlich gerne Aufrunden. Abrunden darf auch er nicht.

Was ist, wenn andere Kollegen den gleichen Bezirk schneller tragen?

In der Anlage wird DEINE Arbeitszeit festgehalten, nicht z.B. die eines Ausdauersportlers. Auch eine Zeit, die seit Jahren im System oder Arbeitsvertrag hinterlegt ist, muss noch lange nicht DEINE Arbeitszeit sein.
Es ist also die Zeit gesucht, die DU ohne zu trödeln aber auch ohne ungewöhnliche Eile für Deine Bezirke benötigst. Ein Vergleich mit anderen Zustellern ist für diese Werte irrelevant.

Natürlich ist hier ein schnellerer Zusteller wirtschaftlich für den Arbeitgeber ggf. interessanter.
Es ist daher im Extremfall zu befürchten, dass ältere oder schwerbehinderte Interessenten weniger Chancen auf eine Neueinstellung haben.
Durch die Ausnahmeregelung für Zeitungszusteller (2015 nur 6,38€ Mindestlohn) wird der "Ansturm" der Bewerber aber sicher nicht zunehmen. Der Arbeitgeber kann daher bei den Auswahlkriterien nicht besonders streng sein.

Welche Zeiten sind wöchentlich zu melden?

Zunächst sind alle Zeiten zu melden, die nicht regelmäßig anfallen. Hier sind beispielhaft zu nennen:

  • Wartezeiten wegen verspäteter Anlieferung
  • Mehraufwand für nötige Nachlieferungen
  • Mehrzeit bei ungewöhnlichen Witterungsbedingungen (Schnee, Eis, Starkregen, Sturm,...)
  • Zeit für die Erstellung neuer Lauflisten
  • Mehrzeit bei Baustellen oder Umleitungen im Bezirk

Du hast Dich gesundheitlich angeschlagen durch den Bezirk gekämpft? Melde gerade in solchen Fällen Deine längere Arbeitszeit.

Aber auch z.B. die Zeit, in der Dein Bezirksleiter mit Dir diese Anlage bespricht ist Deine Arbeitszeit.

Solltest Du feststellen, dass Du vielleicht aufgrund geänderter Stückzahlen regelmäßig mehr oder weniger Zeit benötigst, als in der Anlage angegeben, so solltest Du dies auch melden. Dies gilt insbesondere bei Veränderungen im Bezirk z.B. durch Neubaugebiete.

Wie ist das Verfahren bei Vertretungsbezirken?

Wenn Du einen Vertretungsbezirk übernimmst, dann muss Dir Dein Bezirksleiter die für diesen Bezirk hinterlegte Zeit nennen.

Du wirst im Normalfall, zumindest am Anfang, nicht so schnell sein wie der Stammzusteller.
Sollte Dein Mehraufwand nicht durch eine gezahlte Einarbeitung oder ggf. sonstige Bezüge abgedeckt sein, so musst Du Deine zusätzliche Zeit melden.

Wie wird die Aufstockung berechnet?

Wir haben für viele Arbeitszeiten Regelungen in unseren Betriebsvereinbarungen, die zumindest 2015 einen höheren Lohn garantieren als im Mindestlohngesetz festgelegt. Hier ist als ein Beispiel das Wartegeld zu nennen. Die Entlohnung dieser Zeiten kann in diesen Fällen nicht auf Basis des Mindestlohngesetzes berechnet werden, sondern folgt direkt aus den Betriebsvereinbarungen.

Die Berechnung der Aufstockung spielt daher im Wesentlichen nur bei der regelmäßigen Arbeitszeit der Kollegen im alten Lohnmodell eine Rolle, da für die Kollegen im alten Lohnmodell bisher keine Lohnuntergrenze festgelegt wurde.

Zur Berechnung werden sämtliche Zustelllöhne der einzelnen Objekte (zu finden auf den Blättern "Ausrechnung der Zustellvergütung") und eventuelle Bezirkszulagen für jeden Bezirk einzeln addiert. Der so ermittelte Lohn wird mit dem nach Mindestlohngesetz vorgeschriebenen Mindestlohn verglichen (tägliche Arbeitszeit in Stunden * zu vergütende Tage (auch Feiertage!) * 6,38€).
Wird der Mindestlohn nicht erreicht, so wird die Differenz für diesen Bezirk ausgeglichen.

end FAQ

 

SAM 56922