Diesen Monat wollen wir nochmals insbesondere auf die Folgen der geplanten Mindestlohnerhöhungen für Minijobber aufmerksam machen.

Die Mindestlohnkommission hat Ende Juni 2020 die Empfehlungen für die Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns beschlossen. Der Mindestlohn soll von derzeit 9,35 €/h in vier Schritten bis zum 01.07.2022 auf dann 10,45 €/h steigen.

Wenn es auch in Europa teilweise in anderen Ländern bereits höhere Mindestlöhne gibt, so ist doch die Richtung erfreulich.

Minijobber sollten aber bei jeder Lohnerhöhung überdenken, ob Sie auch bei höherem Stundenlohn und gleicher Arbeitszeit noch die Minijobgrenzen einhalten.

Der Arbeitgeber ist bei jeder dauerhaften Lohnerhöhung gezwungen, den voraussichtlichen Verdienst in den nächsten 12 Monaten neu abzuschätzen. Dieser darf aktuell für Minijobber nicht über 12 mal 450€, also 5.400€ pro Jahr, liegen.

Einfach gerechnet läge damit ab 01.01.2021 (9.50 €/h) die Grenze zum Minijob bei uns bei 1h49min täglicher Arbeitszeit (bei im Schnitt 26 Vergütungstagen im Monat).

Der Arbeitgeber muss bei der „vorausschauenden Betrachtung“ aber alle vorhersehbaren sozialversicherungspflichtigen Lohnbestandteile berücksichtigen.

Kolleginnen und Kollegen, die bei uns vor dem 01.05.2009 eingestellt wurden, haben noch Anspruch auf Urlaubs– und Weihnachtsgeld.

Da diese Zahlungen vorhersehbar sind, müssen sie bei der Betrachtung berücksichtigt werden.

Kompliziert wird es bei der Berücksichtigung der Nachtzulage. Diese wird normalerweise sozialversicherungsfrei gezahlt und muss daher bei der 450€ Grenze nicht eingerechnet werden. Habt Ihr aber Urlaubs– oder Krankheitstage, so bekommt Ihr für diese Tage einen Tagessatz, der Eurem durchschnittlichen Lohn der letzten 3 Monate entspricht. In diesen Tagessatz wird die Nachtzulage eingerechnet und ist dann an Urlaubs– und Krankheitstagen doch sozialversicherungspflichtig.

Zumindest die Anzahl der Urlaubstage ist für den Arbeitgeber vorhersehbar. Daher muss für diese Tage die Nachtzulage berücksichtigt werden.

In der Tabelle unten findet Ihr eine Übersicht der sich in Zukunft aus dem gesetzlichen Mindestlohn ergebenden maximalen täglichen Arbeitszeit für Minijobber.

Beachtet bei der Betrachtung auch, dass Ihr ggf. an manchen Tagen Mehrarbeit melden werdet. Geschieht dies mit einer gewissen Regelmäßigkeit, müssten die Zeiten auch in der vorrausschauenden Betrachtung berücksichtigt werden.

Was könnt Ihr aber unternehmen, wenn Ihr abschätzen könnt, dass durch eine Mindestlohnerhöhung in Zukunft die Minijobgrenze bei Euch überschritten wird?

Ihr habt mit dem Arbeitgeber eine bestimmte Arbeitszeit in Eurem Arbeitsvertrag vereinbart. Diese Vereinbarung kann von keiner Seite ohne weiteres einseitig geändert werden.

Einfach, geht dies nur einvernehmlich. Sprecht daher Eure Bezirksleiterin bzw. Euren Bezirksleiter doch rechtzeitig an. Vielleicht ist eine Reduzierung Eures Arbeitspensums (Bezirksanpassung) ja im gegenseitigen Interesse.

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