Bereits in der letzten SammelSpitze haben wir den Abschluss mehrerer Betriebsvereinbarungen zur Gebietsoptimierung angekündigt. Diese wurden jetzt unterschrieben.

Der Arbeitgeber strebt schon seit einiger Zeit an, die Bezirksstrukturen in unserem Zustellgebiet neu zuzuschneiden.

Da bei einer solchen „Optimierung“ auch mehrere Regelungen gefunden werden müssen, bei denen der Betriebsrat ein Mitbestimmungsrecht hat, konnte der Arbeitgeber dies bei uns nicht so ohne Weiteres durchführen. In unserer betriebsratslosen Schwesterzustellgesellschaft (RZZ Köln mbH & Co. KG) ist dieser Prozess bereits abgeschlossen.

Bei uns haben Arbeitgeber und Euer Betriebsrat im Rahmen eines Einigungsstellenverfahrens mehrere Betriebsvereinbarungen erarbeitet. Ziel war hier ein Gleichgewicht zwischen den berechtigten Interessen des Arbeitgebers und denen der Arbeitnehmer*innen zu finden.

Dabei war uns klar, dass die meisten Arbeitnehmer*innen möglichst wenig Veränderungen wünschen, in einigen Bereichen aber durch den anhaltenden Aborückgang die gewachsenen Strukturen dringend Veränderungen brauchten.

Die entstandenen Betriebsvereinbarungen solltet Ihr mit der aktuellen Lohnabrechnung und dieser SammelSpitze erhalten.

Erstes Ziel der Betriebsvereinbarungen war es, auch bei neu zugeschnittenen Bezirken Eure jeweilige vertragliche Arbeitszeit möglichst genau wieder auszufüllen.

Hierzu muss zunächst für neue Bezirke die benötigte Arbeitszeit abgeschätzt werden.

Durch die in einem Testlauf im Vertriebsbereich 20 gewonnen Daten (nochmals herzlichen Dank für die Unterstützung der Kolleginnen und Kollegen im VB 20) konnte die mit Hilfe des Geoinformationssystems „Sabris“ vorgenommene Prognose für die Arbeitszeit angepasst werden. In die Prognose fließen jetzt z.B. auch die Zeitschriften und die Länge der Hauseingangswege mit ein.

Betriebsrat und Arbeitgeber waren sich aber im Einigungsstellenverfahren einig, dass es sich bei den vorhergesagten Arbeitszeiten eben nur um eine Prognose handeln kann. Tatsächlich sind die Begebenheiten im Bezirk sehr individuell (z.B. Treppen, Steigungen, Seiteneingänge etc.).

Letztlich kommt es nur auf die tatsächlich benötigte Arbeitszeit der einzelnen Kolleginnen und Kollegen an.

Einzelheiten entnehmt Ihr bitte den Betriebsvereinbarungen oder fragt bei Eurem Betriebsrat nach.

Wie geht es jetzt mit der Gebietsoptimierung weiter?

Der Arbeitgeber hat vor, die einzelnen Vertriebsbereiche nun nacheinander zu optimieren, wobei pro Monat maximal die Bezirke eines Bezirksleiters bzw. einer Bezirksleiterin optimiert werden.

Man kann sich daher ausrechnen, dass der ganze Prozess bei uns mindestens ein Jahr dauern wird.

In welcher Reihenfolge die Vertriebsbereiche optimiert werden, wurde noch nicht endgültig festgelegt.

Was passiert nun, wenn sich Eure neue Arbeitszeit von Eurer vertraglichen Arbeitszeit unterscheidet?

Hier muss man zwei mögliche Fälle unterscheiden:

  1. Die neue tatsächliche Arbeitszeit liegt über Eurer vertraglichen Arbeitszeit.
    In diesen Fällen müsst Ihr zunächst Eure Arbeitszeit notieren und dann Mehrarbeit melden. Diese wird selbstverständlich vergütet. Sollte diese Mehrarbeit auch nach einer gewissen Einarbeitung noch immer anfallen, so gibt es entweder die Möglichkeit, Eure vertragliche Arbeitszeit anzupassen oder ggf. den Bezirkszuschnitt zu ändern.
  2. Ist die neue tatsächliche Arbeitszeit geringer als Eure vertragliche Arbeitszeit, so muss der Arbeitgeber zunächst trotzdem Eure vertragliche Arbeitszeit vergüten.
    Natürlich wird der Arbeitgeber auf Dauer keine Zeit vergüten wollen, für die er keine Arbeitsleistung erhält. In aller Regel wird er daher versuchen, mit Euch eine einvernehmliche Lösung zu finden.
    Bei diesbezüglichen Gesprächen ist in den Betriebsvereinbarungen geregelt, dass ein Betriebsratsmitglied bei diesen Gesprächen zu Eurer Unterstützung anwesend sein kann.
    Wir empfehlen dringend, von dieser Möglichkeit gebrauch zu machen.

Leider ist nicht auszuschließen, dass es im Rahmen der Gebietsoptimierung auch zu kompletten Beendigungen von Arbeitsverhältnissen kommen kann.

Klar ist, dass in diesem Zusammenhang Kündigungen (auch Änderungskündigungen zur Reduzierung der Arbeitszeit) mit großer Wahrscheinlichkeit vom Arbeitsgericht für unwirksam erklärt würden. Auch in diesem Fall solltet ihr daher die Unterstützung Eures Betriebsrates bei der Suche nach einvernehmlichen Lösungen in Anspruch nehmen.

Das Thema „Gebietsoptimierung“ wird uns noch eine ganze Weile beschäftigen. Sollte die Durchführung von Betriebsversammlungen im September möglich sein (siehe Artikel „Betriebsversammlung; wichtiger denn je!“), wird dies auch sicher das beherrschende Thema der Betriebsversammlungen sein.

Für Fragen steht Euch Euer Betriebsrat natürlich immer zur Verfügung.