Was haben 450€ Minijobber später bei der Rente zu erwarten und wann lohnt sich ein eigener Rentenbeitrag?

Bis einschließlich 2012 waren geringfügig beschäftigte Arbeitnehmer nicht rentenversicherungspflichtig. Zeitgleich mit der Anhebung der Geringfügigkeitsgrenze von 400€ auf 450€ wurde 2013 die Rentenversicherungspflicht eingeführt.

Der 450€-Jobber kann sich aber von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen. Ob dies sinnvoll ist, ist eine Frage, die Eurem Betriebsrat mehrfach gestellt wurde. Worum geht es hier?

In beiden Fällen zahlt der Arbeitgeber bei einem 450€ Minijobber 15% in die Rentenversicherung ein. Besteht Rentenversicherungspflicht, wird der fehlende Teil zum jeweils aktuell gültigen Rentenversicherungssatz (2018 sind das 18,6%) vom Arbeitnehmer übernommen.

Beispielrechnung (monatliche Rente pro Jahr Beitragszahlung bei 450€ Brutto): 

Rentenbeitrag  AN-Anteil/Jahr   monatliche Rente 
15% AG 0 3,57€
 15% AG + 3,6% AN  194,40€ 4,42€

 

Ein Jahr 450€ Minijob steigert durch die Arbeitgeberbeiträge demnach die spätere monatliche Rente aktuell um 3,57€ (10 Jahre 450€ Minijob steigert die Rente z.B. also um 35,70€).

Zahlt der Arbeitnehmer die „fehlenden“ 3,6% (194,40€ im Jahr), so erhöht sich die monatliche Rente um weitere 0,85€. Diese 194,40€ amortisieren sich erst nach 19 Jahren Rentenbezug.

Für einen Rentner nach Erreichen der Regelaltersgrenze sieht die Rechnung deutlich günstiger aus.

Mit Erreichen der Regelaltersgrenze endet die Rentenversicherungspflicht. Der Arbeitgeber muss zwar weiter die 15% Beitrag zahlen, diese wirken sich aber nicht mehr auf die Rentenhöhe aus. Zahlt der Arbeitnehmer freiwillig die fehlenden 3,6%, so werden auch die 15% AG-Anteil bei der Rentenhöhe wieder berücksichtigt.

Zahlt der Rentner Eigenbeiträge, so erhöht sich die monatliche Rente um 4,42€ ab Mitte des Folgejahres. Das amortisiert sich schon nach 3,7 Jahren.

Beispielrechnung (Rente pro Jahr Beitragszahlung bei 450€ Brutto nach Regelrentenalter): 

Rentenbeitrag
(Regelrentenalter)
 AN-Anteil/Jahr   monatliche Rente 
15% AG 0 0€
 15% AG + 3,6% AN  194,40€ 4,42€

 

Für die meisten Minijobber dürfte aber ein eigener Beitrag mit ausschließlichem Blick auf die spätere Rente uninteressant sein.

Es gibt jedoch noch weitere Vorteile bei eigenen Zahlungen in die Rentenversicherung:

Nur bei eigenen Einzahlungen werden die Zeiten voll bei der Berechnung von Mindestzeiten angerechnet. Bei folgenden Punkten sind Mindestbeitragszeiten relevant bzw. ist eine Eigenleistung in der Rentenversicherung Grundvoraussetzung:

  • Bei einer vorzeitigen Altersrente
  • Ansprüchen auf Leistungen zur Rehabilitation
  • Anspruch auf Übergangsgeld bei Rehabilitationsmaßnahmen
  • Anspruch auf eine Rente wegen Erwerbsminderung
  • Anspruch auf Entgeltumwandlung für eine betriebliche Altersversorgung
  • Voraussetzungen z.B. für Riester-Rente

Ob sich ein eigener Beitrag für Euch lohnt, müsst Ihr letztendlich selbst entscheiden.

Der Betriebsrat kann nur diesen groben Überblick geben. Eine individuelle Rentenberatung erhaltet ihr direkt bei der

„Deutsche Rentenversicherung“

  • 0800 1000 4800 (kostenloses Servicetelefon)
  • www.deutscherentenversicherung.de
  • Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Wie schon in den letzten „SammelSpitzen“ berichtet, plant die Bundesregierung nach der Ausnahme der Zeitungszusteller/innen beim Mindestlohn erneut eine Sonderregelung für diese Gruppe. Dieses mal soll der Arbeitgeberbeitrag zur Rentenversicherung bei Minijobbern (wohlgemerkt nur für Zeitungszusteller/innen) von 15% auf 5% gesenkt werden.

In einem „Offenen Brief“ hat Euer Betriebsrat bei der Koalition nachgefragt, wie diese fehlenden 10% ausgeglichen werden sollen.

Inzwischen haben wir die Antwort vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Hierin heißt es: „...noch keine Entscheidung gefallen, wann und in welche Weise diese Koalitionsvereinbarung umgesetzt wird.“ (Die komplette Antwort und vieles mehr zum Thema findet Ihr unter „Weblinks“ auf unserer Homepage betriebsrat-rzz-krl.de).

Es steht daher weiterhin zu befürchten, dass wir Zeitungszusteller/innen die Zeche zahlen müssen. In diesem Fall würde die Beispielrechnung etwas anders aussehen.

Beispielrechnung (Rente pro Jahr Beitragszahlung bei 450€ Brutto und 5% AG-Anteil): 

Rentenbeitrag  AN-Anteil/Jahr   monatliche Rente 
5% AG 0 1,19€
 5% AG + 13,6% AN  734,40€ 4,42€

 

Der Minijobber kann sich dann entscheiden, ob er pro Jahr 540€ mehr eigene Rentenbeiträge zahlt oder nach rund 19 Jahren Rentenzahlung den gleichen Betrag weniger an Rente erhalten wird.

Vorläufig soll diese Sonderregelung 5 Jahre gelten. Das würde für die meist nur Mindestlohn verdienenden 450€ Zeitungszusteller/innen eine zusätzliche Belastung von 2.700€ bedeuten (genau den Betrag, den die Arbeitgeber einsparen).

Man kann nur hoffen, dass diese Branchensubvention nicht von uns Zeitungszustellerinnen und Zeitungszustellern finanziert werden soll.