Bei Beratungsgesprächen mit Kolleginnen und Kollegen stellen wir immer wieder fest, dass viele Kolleginnen und Kollegen die Berechnung des eigenen Lohns nicht nachvollziehen können.

D ie Formeln hinter den einzelnen Lohnarten sind teils recht komplex, teilweise aber auch durchaus überschaubar.

In den kommenden SammelSpitzen werden wir versuchen, immer jeweils 2 Lohnarten zu erklären.

Die gesammelten Erklärungen findet Ihr dann zukünftig auf unserer Homepage

www.betriebsrat-rzz-krl.de

unter dem Menüpunkt „FAQ“.

Bei allen Lohnarten gibt es die Spaltenüberschriften „Anzahl“, „Faktor“ und „Betrag“.

lohnabrechnungBeginnen werden wir in dieser Ausgabe mit den besonders wichtigen Lohnarten „Zustelllohn“ und „Vertretungslohn“.

1K00 Zustelllohn

Mit dieser Lohnart wird die Zustellung Eurer Stammbezirke vergütet.

Für Eure Stammbezirke habt Ihr dem Arbeitgeber Eure „regelmäßige, planbare Arbeitszeit“ gemeldet.

Was genau darunter zu verstehen ist, könnt Ihr in der Betriebsvereinbarung „Arbeitszeit“ nachlesen.

Diese regelmäßige, planbare tägliche Arbeitszeit wird mit der Zahl Eurer tatsächlichen Zustelltage des Monats multipliziert. Urlaubs-, Krankheits- und zustellfreie Tage durch Feiertage werden also nicht mitgezählt.

Das Ergebnis sollte dann unter „Anzahl“ zu finden sein. Hier müsst ihr beachten, dass die tägliche Arbeitszeit in Stunden auf 2 Stellen nach dem Komma gerundet zur Berechnung genutzt wird (Beispiel: 55 Minuten entsprechen 55/60=0,92 Stunden).

Mit „Faktor“ ist Euer Stundenlohn gemeint. Bei den meisten Kolleginnen und Kollegen wird dies der jeweilige gesetzliche Mindestlohn sein (aktuell €9,19/h). Solltet ihr bis 07.2019 eine Besitzstandszulage erhalten haben, so wird der dort zu findende „Faktor“ noch zum Mindestlohn addiert. Eine gesonderte Lohnart „Besitzstandszulage“ gibt es nicht mehr.

Für den „Betrag“ gilt dann:

Betrag = Anzahl x Faktor

Solltet Ihr auf ein komplett anderes Ergebnis kommen, dann kann es daran liegen, dass ein Bezirk, den Ihr als Stammbezirk empfindet, offiziell für den Arbeitgeber nur von Euch vertreten wird. Der entsprechende Lohn wäre dann in der folgenden Lohnart zu finden. Klärt dies im Zweifel mit Euren Bezirksleitern ab.

1K02 Nachtzulage

Aktuell werden bei uns Nachtzulagen in drei verschiedenen Höhen für Arbeiten bis 6 Uhr gezahlt (siehe auch Artikel „Anpassung der Nachtzulage“):

  • 25% bekommen alle Mitarbeiter/innen, die nach dem Arbeitszeitgesetz als Nachtarbeitnehmer gelten. Dies sind (etwas vereinfacht ausgedrückt) die Kolleginnen und Kollegen, die an mindestens 48 Tagen im Jahr mehr als 2 Stunden vor 6 Uhr arbeiten.
  • 20% erhalten die Kolleginnen und Kollegen, die obige Voraussetzung nicht erfüllen (nach Arbeitszeitgesetz daher keine Nachtarbeitnehmer sind) und vor 01.01.2017 eingestellt wurden.
  • 10% wird an die Mitarbeiter/innen gezahlt, die ab 01.01.2017 eingestellt wurden und ebenfalls die Voraussetzungen als Nachtarbeitnehmer nicht erfüllen.

Dieser Prozentsatz wird auf die Lohnarten „Zustelllohn“ und „Vertretungslohn“ für die geleistete Arbeit bis 6 Uhr angewandt. Genau hier liegt das Problem bei der Berechnung:

Ist die Anlieferung in der Regel so rechtzeitig, dass Ihr Eure Zustellung normalerweise bis 6 Uhr abschließen könnt, so erhaltet Ihr als Nachtzulage Euren Prozentsatz (10%, 20% oder 25%) auf Euren gesamten Zustell– und Vertretungslohn.

Beispiel:

Die Anlieferung an Eurer Ablage erfolgt in der Regel bis 3 Uhr und Ihr habt für Eure Bezirke eine tägliche Arbeitszeit von 3 Stunden hinterlegt. Dann bekommt Ihr für Eure gesamte Zustellarbeit eine Nachtzulage, da davon ausgegangen werden kann, dass Ihr regelmäßig bis 6 Uhr fertig seid. Für diese Berechnung wurde für alle Zusteller/innen ein „möglicher Arbeitsbeginn“ hinterlegt.

Werden in obigem Beispiel die Zeitungen an Eurer Ablage regelmäßig erst bis 3:30 Uhr angeliefert, dann seid Ihr in der Regel auch erst um 6:30 Uhr fertig und erhaltet für die halbe Stunde nach 6 Uhr keine Nachtzulage mehr.

Wir raten Euch dringend, einmal Euren tatsächlich gezahlten Prozentsatz auszurechnen.

Nachtzulage in % =

Nachtzul. / (Zustell– plus Vertretungslohn) x100

Entspricht dieser nicht dem passenden Satz (10%, 20%, 25%), obwohl Ihr regelmäßig um 6 Uhr fertig seid, so kann dies daran liegen, dass für Euch eine falsche „mögliche Anfangszeit“ hinterlegt ist. Sprecht dann Eure Bezirksleiter einmal darauf an. Wichtig für alle Kolleginnen und Kollegen mit Hinzuverdienstgrenzen ist, dass die Nachtzulage bei fast allen Hinzuverdienstgrenzen nicht mitgerechnet wird.

Beispiel:

Minijobber dürfen die steuerfreie Nachtzulage zusätzlich zu den €450,- / Monat erhalten, ohne ihren Status als Minijobber zu gefährden.

Aber aufpassen: Bei Urlaub oder Krankheit bekommt Ihr Eure Nachtzulage indirekt über den Tagessatz für die entsprechende Lohnfortzahlung (nicht unter der Lohnart „Nachtzulage“).

Da Ihr bei Urlaub oder Krankheit aber nicht tatsächlich nachts gearbeitet habt, darf der entsprechende Betrag dann nur sozialversicherungspflichtig gezahlt werden und ist in diesen Fällen dann doch bei den Hinzuverdienstgrenzen zu berücksichtigen!

1K11 Vertretungslohn

Mit dieser Lohnart wird die Zustellung Eurer Vertretungsbezirke vergütet.

Für alle Bezirke hat der Arbeitgeber Zeiten für Vertretungen hinterlegt. Diese Zeiten solltet Ihr Euch vor jeder Vertretung von Euren Bezirksleitern geben lassen. Nur so könnt Ihr entscheiden, ob diese automatisch vergüteten Zeiten für Euch ausreichen oder ob Ihr Mehrarbeit melden müsst. Habt Ihr einen Bezirk schon mehr als 3 Monate nicht mehr getragen, könnt Ihr bei Eurer Bezirksleiterin bzw. Eurem Bezirksleiter auch die Zahlung einer Einarbeitungspauschale beantragen.

Zur Kontrolle Eurer Abrechnung müsst Ihr nun für jeden Tag die Zeiten für die tatsächlich zugestellten Vertretungsbezirke addieren (wieder in Stunden 2 Stellen nach dem Komma gerundet).

Die Summe solltet Ihr unter „Anzahl“ finden.

„Faktor“ ist analog zum Zustelllohn Euer Stundenlohn.

Auch hier gilt: Betrag = Anzahl x Faktor

Zur Kontrolle Eurer Abrechnungen ist es daher auf jeden Fall nötig, Euch besonders Eure Vertretungsbezirke lückenlos zu notieren.

1M70 Umfangszulage Zeitungen

So kompliziert die exakte Berechnung mancher Lohnarten auch ist, so einfach ist theoretisch die Berechnung der „Umfangszulage Zeitungen“.

Leider handelt es sich bei dieser Lohnart aber auch um relativ kleine Beträge.

Eine Umfangszulage wird bei uns bezahlt, wenn ein Objekt mehr als 560g wiegt.

Früher waren die Samstagsausgaben von Rundschau und Stadtanzeiger mit den vielen Inseraten für z.B. Immobilien und KFZ-Verkäufen häufig schwerer.

In letzter Zeit wird dieses Gewicht halbwegs regelmäßig nur von „Die Zeit“ und vereinzelt von den anderen überregionalen Zeitungen erreicht.

Pro zugestelltem Objekt ab 561g im entsprechenden Monat wird eine Umfangszulage von 3 Cent gezahlt.

1Q61 Lohnfortzahlung

Ist ein Arbeitnehmer aufgrund einer Erkrankung arbeitsunfähig, so hat er in der Regel Anspruch auf Lohnfortzahlung.

Die rechtlichen Grundlagen finden sich im Entgeltfortzahlungsgesetz.

Hiernach besteht, außer in den ersten 4 Wochen eines Arbeitsverhältnisses, ein Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall durch den Arbeitgeber für die Zeit der Arbeitsunfähigkeit bis zur Dauer von sechs Wochen.

Handelt es sich bei einer erneuten Arbeitsunfähigkeit um eine neue Erkrankung, so entsteht ein neuer Anspruch für jeweils max. 6 Wochen.

Nach Ablauf der 6 Wochen besteht kein Anspruch gegenüber dem Arbeitgeber mehr. Ggf. zahlt die Krankenkasse ein Krankengeld.

Aber wie wird dieser Lohnfortzahlungsanspruch des Arbeitgebers bei uns berechnet. Leider ist eine exakte Berechnung recht kompliziert.

Grundsätzlich gilt in diesem Fall das sogenannte Lohnausfallprinzip. Der Arbeitnehmer soll also finanziell so gestellt werden, als hätte er normal (durchschnittlich) gearbeitet.

Bei uns wird daher der durchschnittliche Lohn pro Tag der vorherigen 3 Monate berechnet. In diesen Wert fließt auch die Nachtzulage mit ein.

Die Nachtzulage an Krankheitstagen wird also nicht einzeln ausgewiesen und ist an diesen Tagen auch steuer- und sozialversicherungspflichtig. Nicht eingerechnet wird ein eventuell gezahltes Kilometergeld und Einmalzahlungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld.

Diesen Wert solltet Ihr eigentlich in der Spalte „Faktor“ als Tagessatz auf Eurer Lohnabrechnung finden. Im Gegensatz zum Zustelllohn und Vertretungslohn findet Ihr in dieser Spalte also nicht den Stundenlohn, sondern den Tagessatz.

Zumindest überschlagsmäßig solltet Ihr diesen Tagessatz kontrollieren.

In die Spalte „Anzahl“ gehört normalerweise die Anzahl der Tage mit Lohnfortzahlung.

Dass diese zwei Spalten seit einigen Monaten nicht bei allen Lohnarten sinnvoll gefüllt sind, braucht hier wohl nicht nochmals erwähnt werden.

Ist Euch eine Berechnung nicht klar, habt ihr im Zweifel Anspruch auf Erläuterung durch den Arbeitgeber.

Nicht direkt mit der Lohnabrechnung zusammenhängend, aber trotzdem wichtig zu erwähnen:

Eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung wird bei uns bereits ab dem ersten Krankheitstag verlangt.

Informiert Eure Bezirksleiter aber bei einem Ausfall unverzüglich, optimalerweise schon vor einem Arztbesuch. So können Eure Bezirksleiter schon vorsorglich für eine Vertretung sorgen.

1Q85 Feiertagszulage 100%

Zahlungen über diese Lohnart erhaltet Ihr immer, wenn Ihr an einem gesetzlichen Feiertag zugestellt habt. In aller Regel fällt dann am folgenden Tag die Zustellung aus.

Fällt der Folgetag nicht aus, z.B. weil der Feiertag auf einen Samstag fällt, so erhaltet Ihr einen zusätzlichen Urlaubstag für den gearbeiteten Feiertag.

Im Rheinland muss man klarstellen, dass keiner der Karnevalstage ein gesetzlicher Feiertag war.

Der nächste gesetzliche Feiertag mit Zustellung ist Christi Himmelfahrt. An den gesetzlichen Feiertagen rund um Ostern (Karfreitag und Ostermontag) haben wir frei.

Wie man dem Namen der Lohnart schon entnehmen kann, bekommen wir an diesen Tagen eine Feiertagszulage von 100% auf den Zustell– bzw. Vertretungslohn.

Diese Zulage ist steuer– und sozialversicherungsfrei und wird auch bei den meisten Verdienstgrenzen (z.B. Minijob) nicht angerechnet.

Auf die Nachtzulage oder das Kilometergeld wird kein Zuschlag gezahlt.

5Q31 Auslagenersatz Fahrzeug

Stellt Ihr mit einem Kraftfahrzeug zu (Auto, Motorrad, Motorroller), so habt Ihr nach unserer Betriebsvereinbarung „Innerbetriebliche Lohngestaltung“ Anspruch auf 30 Cent je gefahrenem Kilometer. Kolleginnen und Kollegen, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad (auch E-Bike) zustellen, erhalten leider kein Kilometergeld. Auch die bei Zustellung mit KFZ zu Fuß zurückgelegte Strecke wird nicht berücksichtigt.

Für jeden Bezirk ist für die Berechnung eine Strecke hinterlegt, die der Arbeitgeber mit Hilfe eines Routenplaners für diesen Bezirk ermittelt hat. Berechnet wird hierbei die Strecke von der Ablage bis zum letzten Kunden.

Nur bei Springern muss auch die Fahrt vom Wohnort zur Ablage und vom letzten Kunden zurück nach Hause vom Arbeitgeber vergüten werden.

Stellt Ihr mehrere Bezirke zu, muss aber immer die Strecke zwischen den Bezirken bezahlt werden.

Zur Kontrolle könnt Ihr einfach die Strecke (von der ersten Ablage bis zum letzten Kunden) mit dem Kilometerzähler Eures KFZ nachmessen.

Die gemessenen Kilometer multipliziert mit der Anzahl der tatsächlich gearbeiteten Zustelltage eines Monats und dem Faktor 30 Cent/Kilometer ergibt den „Auslagenersatz Fahrzeug“.

Solltet Ihr nennenswerte Abweichungen feststellen, so nehmt Kontakt mit Eurer Bezirksleiterin oder Eurem Bezirksleiter auf. Speziell Springer sollten täglich die komplette Fahrstrecke notieren und abrechnen, da bei Springern die Fahrten zu den Bezirken und zurück teils sehr erheblich sind und diese nicht automatisch erfasst werden.

end FAQ