In Anlehnung an den Koalitionsvertrag beschloss der Haushaltsausschuss des Bundestages am 29. November 2019 die Zustellung von Tageszeitungen und Anzeigenblättern zu fördern.

Angesichts von sinkenden Abonnentenzahlen und gestiegenem Mindestlohn soll die Zustellung gerade in ländlichen Regionen unterstützt werden. Ansonsten bestünde die Gefahr, dass die Verleger wegen fehlender Rendite die Zeitungen nicht mehr an die Landbevölkerung liefern könnten, mit den – vereinfacht gesagt – schlimmen Folgen einer dortigen „Verblödung“. Denn dort auf dem Land sei im Allgemeinen auch das Internet als denkbare Alternative noch viel zu langsam.

Nun soll die flächendeckende Zustellung von Tageszeitungen und Anzeigenblättern allein in diesem Jahr mit 40 Millionen Euro gefördert werden. Nach Ansicht des Hauptgeschäftsführers des Bundes der Deutschen Zeitungsverleger (BDZV) Dietmar Wolff „viel zu wenig“.

Laut BDZV-Branchenbericht sind wegen des Mindestlohnes jährliche Mehrkosten für die Verlage in Höhe von rund 400 Millionen Euro angeführt. Kritiker befürchten aber auch schon bei 40 Millionen Euro erhebliche Wettbewerbsverzerrungen. Warum ausgerechnet auch noch kostenlose Anzeigenblätter, quasi als Kulturgut für ländliche Regionen, vom Steuerzahler gefördert werden sollen, verschließt sich manch gesundem Menschenverstand.

Noch ist es nicht soweit. Der Bundestag hat die Auszahlung beschlossen – und sie vorerst gleich wieder blockiert. Jetzt soll erst mal ein Konzept bzw. eine Argumentation für die genaue Verwendung der Gelder entwickelt werden.

Eines muss man der Verleger-Lobby lassen. Sie hat kräftig an den Nerven der Politiker/innen gesägt. In welcher Form und in welcher geldwerten Höhe diese „Sägearbeit“ des BDZV tatsächlich uns Zustellern zu Gute kommt, ist ungeklärt bzw. steht noch in den Sternen.