Genau. Bald kommen wieder die „Barmer-Hefte“. Zur Erinnerung. Damals handelte es sich um einen sogenannten Großauftrag, der mal gestückelt mit täglich 25 Stück pro Person oder aber mal mit 25 Stück je Bezirk erledigt werden sollte.

Bei allem Verständnis für die redlichen Bemühungen der Logistik gab es Schwierigkeiten. Entgegen den Versprechungen mussten Kolleginnen und Kollegen mit Vertretungsbezirken oder Springer/innen plötzlich nicht nur 25, sondern über Tage hinweg täglich bis zu 100 Objekte zusätzlich zustellen.

Nicht nur wegen der Anzahl der Hefte (insges. ca. 40.000), sondern vor allen Dingen aufgrund der personalisierten Adressierung war das für alle Beteiligten eine zeitaufwendige Herausforderung und mit erheblicher Mehrarbeit verbunden. Ein paar Beispiele:

  • Die bei der Barmer Ersatzkasse Versicherten gehörten selten zu den uns bekannten Zeitungslesern und mussten deshalb oft mühsam gesucht werden.
  • In der Dunkelheit kleingedruckte Adressaufkleber mit einer Taschenlampe lesen zu müssen, war nicht einfach und schon gar nicht für manch Brillenträger.
  • In großen Mietshäusern suchten wir nach Namen an schier unendlich vielen Briefkästen.
  • Für den Zugang zu einigen Briefkästen fehlte uns der Haustürschlüssel.
  • In kleinstädtischer Bebauung waren wir nicht selten treppauf und treppab auf der Spur zu unbeleuchteten Nebeneingängen.
  • Manche Briefkästen waren, sofern vorhanden, noch nicht einmal beschriftet. Dann lautete die Devise: „Ab auf die Fußmatte“.

Voraussichtlich im Mai sollen die Barmer-Mitgliederzeitschriften wieder zugestellt werden. Vielleicht wird die Suche nach Versicherten nicht mehr so schlimm wie zuletzt ausfallen. Dennoch ist mit einer erheblichen Mehrarbeit zu rechnen, die der Arbeitgeber so gering wie möglich vergüten will.

Der Arbeitgeber spekuliert dabei mit folgenden Gegebenheiten. Da wir montags und dienstags meist „früher fertig sind“, (Es werden weniger Pakete angeliefert. Die Zeitungen sind leichter zu tragen.) soll an diesen Tagen auch die Zustellung der Barmer-Mitgliederzeitschriften erfolgen. Das hätte den Vorteil, dass wir „nicht allzu spät mit der Arbeit fertig werden“. (Das macht für alle Sinn, die danach noch in einem anderen Job arbeiten.)

Wer allerdings glaubt, hier eine Milchmädchen-Rechnung aufmachen zu müssen, um zu behaupten, es sei weniger Mehrarbeit angefallen, der irrt sich. Im Zusammenhang mit einer durchschnittlichen täglichen Arbeitszeit ist es eigentlich egal an welchen Tagen die Barmer-Hefte zugestellt werden. Die durchschnittliche Arbeitszeit wird zunehmen. Der über der durchschnittlich hinterlegten Arbeitszeit liegende Mehraufwand ist zu melden und zu vergüten.

Wer die Höhe der Mehrarbeit genau feststellen will, der sollte einmal über 4 Wochen lang Arbeitsbeginn und Arbeitszeitende notieren und am Monatsende die Summe der gesamten Arbeitszeit durch die Zustelltage dividieren. Dann hat er die Zeit, die er mit seiner vergüteten und hinterlegten Arbeitszeit vergleichen und gegebenenfalls einfordern kann.