Mit zweistelligem Millionenbetrag auf die Metropolregion Köln fokussieren.

Tolle Überschrift – und tolle Berichterstattung in den analogen Flaggschiff-Zeitungen Kölner Stadt-Anzeiger und Express vom 24.04.2020.

Bei genauerer Betrachtung jedoch ist die verlagsseitig geplante Digitalisierung ein Jobkiller erster Güte – und das nicht nur bei uns Zustellern.

Klar, Nachrichten gibt es inflationär heute zu jeder Zeit, an jedem Ort per Smart Device und sind wir einmal ehrlich, eine analoge Tageszeitung hinkt der aktuellen Berichterstattung mindestens 14 Stunden hinterher.

Zu lange sind Produktions- und Druckzeiten, zu lange die Auslieferungswege und zu komplex der Verkauf der Publikationen per Abonnement oder Einzelverkauf.

Auf den ersten Blick spricht in der Tat vieles für eine weitere Digitalisierung der Medien, aber eben nur auf den ersten Blick. Es ist unbestritten, dass Anzeigen und Beilagen-werbung und damit verbunden die Haupteinnahmequellen eines jeden Tageszeitungsverlages seit Jahren rückläufig sind.

Es ist unbestritten, dass Abonnement-Kunden langfristige Abos kündigen und eher Kurzzeitabos zu günstigen Konditionen eingehen und es ist ebenfalls unbestritten, dass analoge Zeitungen auf dem absteigenden Ast sind. Doch ist es nicht auch der Verlagspolitik zu verdanken, dass analoge Medien diesen massiven Niedergang erleben?

Heute werden analoge Tageszeitungen überwiegend aus den Vertriebserlösen betrieben. Dabei soll u.a. der Zusteller laut Verlagsanweisung so wenig wie möglich einen Kundenkontakt aufbauen bzw. pflegen. Alleine das ist schlicht unlogisch, denn gerade die persönliche Zustellung eines abonnierten, analogen Produktes ist es, die die derzeitige Haupteinnahmequelle eines Verlages ausmacht und aus der digitale Angebote heraus überhaupt erst entwickelt werden können.

Gut, bei DuMont gibt es rund 2500 Zeitungsboten, die allmorgendlich die anlogen Zeitungen bei Wind und Wetter zustellen. 2500 Zusteller/innen, die nicht mehr gebraucht werden, wenn es nichts mehr zuzustellen gibt.

Einen „Push-Service“ können diese Zusteller/innen nicht bieten, aber einen echten persönlichen Kundenkontakt stellen wir jeden Morgen zuverlässig her und das ist letztlich wesentlicher als ein noch so „herzliches Willkommen“ auf einem wie auch immer gearteten Bildschirm.

Gedruckte Medien sind ein wichtiger gesellschaftlicher Bestandteil der Berichterstattung und können durch zusätzliche digitale Angebote auch weiterhin parallel betrieben werden, vorausgesetzt ein Verlag will es so und unternimmt neben dem Ausbau der Digitalisierung auch andere Anstrengungen, um das analoge Angebot zu verbessern, sei es durch größere Schriftarten für ältere Leser oder sei es durch den Ausbau der Lokalberichterstattung bzw. der Erscheinungsweise.

Auf in eine schöne neue digitale Welt, in der es nur noch Pads und Phones und Bildschirme gibt, die spätestens dann abschalten, wenn kein Strom mehr da ist oder die Betriebssysteme der Geräte überaltert sind.