Krank im Bett und fast bewegungsunfähig. Rechtzeitig und noch vor dem Arztbesuch wird der Vorgesetzte informiert. Der Arbeitnehmer, offensichtlich vom Hexenschuss getroffen, erhält vom „Chef“ vorab eine Diagnose.

Sie lautet: „Der Nerv muss von der Einklemmung befreit werden. Dazu bedarf es Bewegung, damit alles geschmiert bleibt. Die beste Therapie: Aufstehen und laufen, möglichst von Briefkasten zu Briefkasten.“

Keineswegs eine Satire oder eine frei erfundene Geschichte. Purer Sarkasmus aus der Wirklichkeit? Ja, zweckdienlich bequem und wahr!

Grundsätzlich gilt: Die Art der Erkrankung hat den Arbeitgeber nicht zu interessieren. Das ist Privatsache. Vorschläge zur Heilung der Krankheit durch Vorgesetzte sind unangebracht und wie im obigen Fall beschrieben inkompetent und anmaßend. Zuständig ist hier allein der vom Erkrankten bestimmte Arzt mit seiner Diagnose! 

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Zum Thema „Krank ...“ beziehen wir uns auch auf einen Artikel der ver.di Branchenzeitung „Druck und Papier“ von August 2020 „Sorry, Chef, da irren Sie!“. Wir zitieren:

Muss ich sagen, woran ich erkrankt bin?

Nein. Gegen den Willen der Beschäftigten hat der Unternehmer keinen Anspruch zu erfahren, an welcher Krankheit jemand leidet. Deshalb ist auf dem für den Arbeitgeber bestimmten Teil der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung auch keine Diagnose abgegeben. Wer dem Unternehmen dennoch den Grund der Erkrankung mitteilt, sollte bedenken, dass Informationen unter Umständen zum eigenen Nachteil genutzt werden kann.“

Und wenn ich im Urlaub krank werde?

„Wer krank ist, kann sich nicht erholen. Krankheitstage in den Ferien werden deshalb rückwirkend gutgeschrieben. Allerdings nur, wenn ein Arzt die Arbeitsunfähigkeit bescheinigt hat. Solch eine Bescheinigung müssen sich Erkrankte auch während einer Auslandsreise ausstellen lassen und dann im Betrieb vorlegen. Und: Den Urlaub am Ende einfach um die verlorenen Tage zu verlängern, geht leider nicht!

Und was ist mit Corona?

Normalerweise muss die Art der Erkrankung dem Arbeitgeber nicht mitgeteilt werden. Bei Covid 19 sieht die Sache wegen der hohen Ansteckungsgefahr anders aus. Hier gibt es sicherlich eine Hinweispflicht, damit der Arbeitgeber Maßnahmen zum Schutz unserer Kollegen und Kolleginnen durchführen kann.

Und wann muss ich mich krankmelden?

In der Regel unverzüglich. Zusätzlich heißt das, bei laufender Tätigkeit im Betrieb ist dem Arbeitgeber ein ärztliches Attest vorzulegen. Die Besonderheit unserer Tätigkeit, die nächtliche Zustellung von „aktuellen“ Zeitungen an 6 Tagen in der Woche, erfordert allerdings sofortiges Handeln. Eine telefonische Mitteilung – auch schon vor einem geplanten Arztbesuch – sollte den Bezirksleiter erreichen. Nur so wird er eine pünktliche Zustellung der Tageszeitung besser koordinieren können. Also: nicht „bis auf den letzten Drücker“ warten!

Auf Fragen „Wo tut es denn weh?“ müsst Ihr nicht antworten!