Diese Frage werden wohl die meisten Zeitungszusteller/innen aus dem Bauch heraus mit „Ja“ beantworten. Aber was sagt das Gesetz?

Ein Arbeitnehmer, der nachts arbeitet, müsste doch eigentlich auch vor dem Gesetz ein Nachtarbeitnehmer sein, oder? Ganz so einfach ist es leider nicht.

Nach dem Arbeitszeitgesetz ist nur der Nachtarbeitnehmer, der an mindestens 48 Tagen im Jahr mehr als zwei Stunden nachts (23Uhr-6Uhr) arbeitet.

Unsere Minijobber sind daher in aller Regel keine Nachtarbeitnehmer, da bei regelmäßig mehr als 2 Stunden täglicher Arbeitszeit die 450 Eure Grenze überschritten wird.

Aber warum ist dieser Status so wichtig?

Der wahrscheinlich wichtigste Punkt ist, dass nur Nachtarbeitnehmer nach Arbeitszeitgesetz einen gesetzlich geregelten Anspruch auf Nachtzulage bzw. entsprechende Freistellungen haben. Außerdem stehen ihnen besondere medizinische Untersuchungen und unter Umständen eine Versetzung auf einen Tagesarbeitsplatz (bei uns nahezu unmöglich) zu.

Aktuell gibt es bei uns dank unserer Betriebsvereinbarung „innerbetriebliche Lohngestaltung“ bei der Nachtzulage keinen Unterschied zwischen Nachtarbeitnehmer und Nicht-Nachtarbeitnehmer.

Nur Nachtarbeitnehmer konnten sich aber (und können es immer noch) auf ein Bundesarbeitsgerichtsurteil von 2018 berufen und eine 30 prozentige Nachtzulage einfordern.

Aktuell verhandelt Euer Betriebsrat mit dem Arbeitgeber eine Betriebsvereinbarung, die die zukünftige Zahlung der Nachtzulagen regeln soll.

Wie eine solche Betriebsvereinbarung letztendlich aussehen wird, und ob sie überhaupt zustande kommt, ist noch nicht sicher.

Sicher scheint aber, dass es zukünftig unterschiedliche Nachtzulagen geben wird.

Für Nachtarbeitnehmer wird die Nachtzulage wohl, aufgrund des BAG-Urteils und inzwischen einiger erfolgreicher Klagen von unseren Kollegen, erhöht werden.

Du solltest Dir überlegen, ob du nicht auch in diesen „Genuss“ kommen willst. Arbeit gibt es genug bei uns.

Wenn Du also bereit bist, regelmäßig mehr als zwei Stunden nachts zuzustellen, dann sprich Deine Bezirksleiterin / deinen Bezirksleiter an, und bewirb Dich z.B. auf vakante Bezirke (immer schriftlich am besten mit Kopie an Deinen Betriebsrat).

Bei dieser Variante bist Du dann aber definitiv kein Minijobber mehr. Aber auch das kann Vorteile haben, wie z.B. eigene Krankenversicherung und höhere Leistungen aus der Rentenversicherung.

Es reicht aber auch, wenn Du an mindestens 48 Tagen im Jahr mehr als 2 Stunden nachts arbeitest. Dies können z.B. Tage mit Vertretungsbezirken oder Tage mit überdurchschnittlicher Anzahl Zeitschriften sein.

In diesem Fall bekommst auch Du den Status „Nachtarbeitnehmer“ und damit den gesetzlichen Anspruch auf Nachtzulage auch an den übrigen Tagen.

Urlaubs- bzw. Krankheitsvertretungen können sich so zukünftig doppelt lohnen.